Bericht zu:
Vortrag "Burnout"
Am 23. Oktober 2020 hielt eine Expertin, Frau Dr.in Monika Pammer, im Steirischen Landesverband einen Vortrag zum Thema “Burnout”. Der Vortrag wurde im Rahmen des Projektes <Get It> organisiert. Dieses Projekt wird vom Sozialministeriumservice, Landesstelle Steiermark, finanziert (Förderung bekommen). Es war sehr interessant, denn einige Teilnehmer*innen wussten vor dem Vortrag noch nicht, was Burnout wirklich ist. Hier eine kurze Erklärung: 1970 erkrankte der Psychologe Herbert J. Freudenberger an Burnout. Die Krankheit war damals noch nicht bekannt und hatte auch noch keinen Namen. Er fühlte sich krank, aber so eine Krankheit hatte er noch nicht erlebt. Irgendetwas war ungewöhnlich (neu, anders) und er konnte es mit keiner Krankheit, die er früher hatte, vergleichen. Er versuchte den Unterschied herauszufinden. Als er wieder gesund war, wollte er Menschen suchen, die die gleichen Symptome (Anzeichen) wie er haben. Er fand einige, die ähnliche Symptome hatten, aber niemand hatte genau die gleichen. Herbert J. Freudenberger erkannte, dass die Symptome von Burnout sehr unterschiedlich und nicht bei allen Betroffenen gleich sind. Das englische Wort “Burnout” bedeutet auf Deutsch “das Feuer erlischt” (Feuer hört auf zu brennen).
Gemeint ist das innere Feuer, die Motivation (Freude, Lust) etwas zu machen oder zu arbeiten. Dieses Feuer ist erloschen (Feuer hat aufhören brennen) und man hat keine Lust etwas zu tun. Die Motivation ist weg und man sitzt zum Beispiel nur noch faul herum. Burnout entsteht durch Stress, Überforderung und Belastung und wurde zwar erst 1970 entdeckt, Burnout und Stress gab es aber schon viel früher, vielleicht sogar schon in der Steinzeit. Dafür gibt es aber keine Beweise. Die Menschen lebten damals gemeinsam in Gruppen und mussten Tiere jagen, um zu Nahrung zu kommen. Das hatte vermutlich Stress zur Folge, denn man musste es schaffen, Tiere zu jagen, damit alle mit Essen versorgt werden konnten. Stress kann nicht erst in der Schulzeit oder im Arbeitsleben entstehen, sondern schon im Kindergartenalter. Nach der Geburt ist das Kind mit den Eltern einige Jahre zuhause und dann wird es in den Kindergarten geschickt. Dort sind neue und vor allem fremde Leute, das verängstigt das Kind. Es führt also nicht nur Arbeit zu Stress und Burnout, auch Kinder können unter Stress stehen und unter Burnout leiden. Das ist aber selten der Fall. Meist erkranken ältere Menschen an Burnout, junge sind selten betroffen. Stress im Privatleben kann auch der Auslöser für Burnout sein. Zuhause muss oft an vieles gedacht werden und vieles muss erledigt werden, wie putzen, Essen kochen und auf die Kinder aufpassen. Auch das kann der Grund für eine Überbelastung und Burnout sein.
Wie kann man Burnout erkennen?
Typische Symptome sind:
Stimmungsschwankungen (zum Beispiel: glücklich dann plötzlich traurig); Schlafstörungen (kann nicht schlafen); Konzentrationsschwierigkeiten (kann nicht konzentrieren); Lustlosigkeit (keine Lust);
Körperliche Symptome sind:
Kopfschmerzen; Muskelschmerzen; Gliederschmerzen; Ohrenrauschen (Geräusch im Ohr); Verdauungsprobleme; Schlafstörungen (kann nicht schlafen); Schwindel; Herzrasen (Herz klopft sehr schnell); Bluthochdruck;
Stress hat eine negative und auch eine positive Seite und führt nicht immer zu Burnout. Zu negativem Stress zählt, wenn man Leistungsdruck verspürt und man das Gefühl hat, man muss alles gut machen. Auch Entscheidungsdruck gehört dazu oder die Angst vor Neuem, weil sich zum Beispiel im Leben etwas verändert hat. Auch Angst vor Versagen (scheitern, etwas nicht schaffen) zählt zu negativem oder schlechtem Stress. Stress kann aber auch positiv sein. Muss man zum Beispiel in der Arbeit vieles in kurzer Zeit erledigen, wird man durch positiven Stress motivierter und die Leistungsfähigkeit wird gesteigert (kann besser und schneller arbeiten). Es ist aber wichtig, dass klare Grenzen gezogen werden. Man muss auch abschalten können, denn andauernder Stress führt zu Überforderung und Belastung und schlussendlich zu Burnout. Wenn es sehr stressig in der Arbeit ist und man das Gefühl hat, die Grenze wurde überschritten, muss man eine Pause einlegen. In dieser Pause kann man zum Beispiel fünf Minuten an der frischen Luft Spazierengehen. Was zum Stress abbauen hilft, ist von Person zu Person (bei jedem) verschieden. Einige lesen ein Buch, gehen laufen oder spazieren.
Der Weg zum Burnout: Die Betroffenen leiden am Anfang meist unter Stress und Überlastung. Das hat Burnout zur Folge. Wird die Burnout-Erkrankung nicht geheilt, können Depressionen entstehen. Burnout kann meist aber geheilt werden. Um Depressionen zu behandeln, müssen oft Tabletten eingenommen werden. Frau Dr.in Pammer meint, dass eine Burnoutphase einige Jahre dauern kann, aber Heilung ist möglich, während Depressionen dauerhaft sind. Nach dem Vortrag konnten wir Fragen stellen. Für einige Teilnehmer*innen war der Unterschied zwischen Burnout und Depressionen nicht klar, deswegen wurden die beiden Begriffe in der Fragerunde noch genauer erklärt. Das war eine sehr interessante Diskussion. Jemand hat hinzugefügt, dass gehörlose Personen wohl gut mit Stress umgehen können. Zum Beispiel: Für hörende Patient*innen ist es stressig, wenn sie zum Zahnarzt müssen. Sie haben Angst und verspüren Stress. Gehörlose haben diese Angst auch, dazu kommt aber noch die Angst, dass Kommunikationsschwierigkeiten auftauchen. Das ist der Alltag für uns gehörlose Menschen.
Wir haben Angst, dass die Kommunikation nicht funktioniert. Ein anderes Beispiel: Bei einer Konferenz in der Arbeit nimmt ein Gehörloser mit hörenden Kolleg*innen teil und alle reden durcheinander. Er verspürt Stress, weil er bei allen gleichzeitig Lippenlesen müsste. Die hörenden Kolleg*innen haben vielleicht Angst etwas Falsches zu sagen. Er hat Angst etwas Falsches zu sagen UND er hat Stress wegen dem Lippenlesen. Wir sind so aufgewachsen, deswegen sind wir Stress gewohnt. Wir denken, das stimmt. Wir konnten viele verschiedene Fragen an Frau Dr.in Pammer stellen und zum Schluss hat sie uns Tipps zum Stressabbau genannt, zum Beispiel: wandern, laufen, Bücher lesen, Filme anschauen, Fortgehen, Freunde treffen oder schwimmen. Wenn man Stress verspürt, soll man etwas tun, bei dem man abschalten kann und das einen beruhigt. Schaut man zum Beispiel nach der Arbeit einen Film und entspannt, kann man später wieder weiter arbeiten oder etwas anderes tun.